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Vom Flo, dem Flow, dem Bradln und dem Bradley


Der Volksoul des Flow Bradley


Die Geschichte könnte auch ‚Ausse aus Aussee‘ heißen, doch das wäre viel zu kurz gegriffen,
wiewohl Bad Aussee der Punkt ist von dem so vieles auf die Reise geht… und auch wiederkehrt.

Vielschichtig ist das Leben des Flow Bradley und ebenso verhält es sich mit seiner Kunst.
Volksoul. Das Volk und die Musik? Nach dem Rock’n’Roll nun der Soul? Einfach die Welle
weiterreiten?

Die Vermutung läge nahe, wäre aber grundfalsch.

Flow Bradley und seine Musik sind nicht erst seit heute ein Begriff.

Einst war der Flo Randacher der Frontmann der Hardbradler. Als
Ausseer mit den musikalischen Wurzeln der Heimat auf spannenden Grenzgängen unterwegs. Das
war in den späteren 90er Jahren und firmierte unter ‚Neuer Volksmusik‘. Viel mehr war es die
intuitive, kreative Erweiterung der lokalen Klänge und Texte mit dem was von draußen hereinkam
und die jungen Musiker befruchtete.

Man verschwindet hat schnell in der Volksmusik-Lade wenn irgendwo eine Harmonika mit dabei ist.
Daher einfach zurück zum Start und die Geschichte von Anfang an erzählen.


Flow Bradley wurde als Florian Randacher in Bad Aussee geboren. Das Geburtshaus steht an der
Altausseer Strasse im Ortsteil Praunfalk. Altaussee ist nicht Bad Aussee. Nur Bad Ausseer sind
Ausseer und bevor sich hier jetzt die Augenbrauen heben…

Das ist wichtig, denn im Ausseerland
machen schon einige Kilometer Distanz einen Unterschied aus. Die Menschen in Altaussee sind
anders als die in Bad Aussee und die in Gössl. Die in Grundlsee sowieso.

Sie unterscheiden sich in der Mentalität auch von allen Österreichern die hinter den Bergen des
Ausseerlandes wohnen und um das zu begreifen, können die wunderbaren Bücher des Alfred
Komarek für Außenstehende, zum Thema, sehr dienlich sein.


Flo wurde in eine musikalische, hoch kreative Familie geboren. Der Vater spielte Drums, der Opa
Steh-Bass. Jazz. Die Mutter schrieb Gedichte. Eine bunte Familie die einen jungen bunten Hund in die
Welt setzte.

Der Vater hatte den Buben schon früh zu Jazzkonzerten mitgenommen, brachte Blues- Platten mit
nachhause und so erfolgte die musikalische Sozialisierung in einem Biotop aus Jazz, Rock,
Blues und Ausseer Volksmusik.

Die Volksmusik des Ausseerlandes ist nicht zu verwechseln mit dem was man aus dem Musikantenstadl kennt.

Paschen und Bradln haben nichts mit volkstümlichen Schlagern zu tun. Ganz andere Welt.


Paschen ist rhythmisches Klatschen, Bradln ist Musikmachen im Wirtshaus gegen Verköstigung. Statt
Gage gibt’s Braten. Das und der Blues waren das Umfeld in dem Flo heranwuchs. In seiner Welt.

Die andere Welt offenbarte sich als er am ersten Schultag nicht das erlebte was er erwartete, aufstand
und der Lehrerin sagte: ‚Mir is da zu fad, i geh jetzt ins Ausseer Bierzelt‘.
Die beiden Welten verschmolzen sich nie wirklich zu einer Ganzen.


Als 15jähriger spielte Flo in einer ACDC-Coverband als der Vater mit dem Vorschlag kam, den Buam
bei der Ausseer Bradlmusi unterzubringen.
Zuerst Entsetzen, dann doch der Versuch des Juniors sich einzuklinken und siehe da, es funktionierte.
Lauter junge Leute, völlig andere Klänge.

‚Jetzt kummt der wüde Randacher, haben die Kinder damals gesagt‘, erinnert sich Flow und am Ende
haben alle voneinander partizipiert.

‚Wir sind auf einander zugegangen und ich hab viel gelernt‘, so Flow und in
der Tat wurde in dieser Zeit sein Gefühl, sein Gespür für Mundart und für das Hiesige sensibilisiert.
Ohne Bradlmusi wahrscheinlich keine Hardbradler.

Mit dieser Band ist Flow richtig populär
geworden. Da waren die Hits wie Aufitretln und Åbiwedln oder Hoamweh nach B.A, die Gold Awards,
der Amadeus Award und volle Konzertsäle. Mit den Hardbradlern stellte sich die Welt des Flo am
Kopf. Ziemlich schnell, ziemlich radikal und das alles mit einem Alter wo man schon sehr sattelfest
sein muss um das für sich selbst auf die Reihe zu bringen.


Flo war das nicht. Der bunte Hund lebte am Limit. Doch Rock’n’Roll-Leben samt Substanzen, Alkohol
und Depressionen vertragen sich nicht. Was folgte war die heftige Zeit.

Der Tod der Mutter, die Entscheidung es als freischaffender Künstler zu versuchen, die Therapien. Vazwickte Wöd.

Aus Flo wurde Flow und der kurierte seine Seele mit Gedichten und dem Abwenden von dem was
Musikwirtschaft heißt. Auf CD sind seine Gedichte hörbar.

Flow spricht selbst, erzählt über seine verzwickte Welt aus der er es dann zwar nicht hinaus schaffte,
es aber auf die Reihe brachte darin zurecht zu kommen. In der realen Welt nicht vom Gleis zu fliegen.

Volksoul – Born in Bad Aussee
Flow Bradley. Flow, dieser Zustand der totalen mentalen Vertiefung und der vom Bradln stammende
Bradley. Der Vorname und der Nachname stehen für diese Metamorphose. Das Leben als
freischaffender Künstler hat sich gut eingependelt.

Die harten Jahre sind vorbei. Flow spielt Theater, Kabarett, schreibt viele Texte und macht vor allem Musik. Soul.

Und da es sich dabei wieder um
Philly-, noch um Motown-Soul oder andere, klassische Spielarten handelt sondern um Seelenmusik
aus Aussee, mit viel Groove, G’spür und Lyrics im lokalen Zungenschlag, darf darüber durchaus aus
der Name ‚Volksoul‘ schweben. Beschreiben sollte man diese Musik eher nicht. Das führt sonst
wieder zu Schubladen. Vielmehr die Musi selbst erleben.


Es gibt seit längerer Zeit wieder ein Album. Es heißt Volksoul und im Untertitel ‚Born in Bad Aussee‘.
Neben dem Ausseer Kurhaus liegt nicht nur der geografische Mittelpunkt Österreichs sondern man
kann da beim Lewandowsky auch gut Kuchen essen.

Die Konditorei ist berühmt für ihre Mehlspeisen
und im Sommer, dann wenn die Touristen im Ort sind, ist da schwer ein freier Tisch zu bekommen.
Jetzt ist Winter. Ich sitze beim Lewandowsky und warte auf Flow.

Draußen tanzen die Flocken und so erkannte ich den Bradler nicht auf Anhieb, wie er die Haube tief
in die Stirn gezogen, vor mir stand.

Die ersten 40 Jahre seines Lebens hat er hinter sich. Vor sich eine neue Zeit. Den zweiten Teil des
Lebens verbringt er mit Flow Bradley und dem geht’s gut.


‚Ich habe jetzt nach längerer Zeit wieder Kontakt zur alten Welt aufgenommen‘, erzählt er. Die alte
Welt, das war jene, die er hinter sich gelassen wähnte.

Die der Rankings, der Musikindustrie mit all ihren Spielfeldern mit der er nichts mehr zu tun haben wollte.
Das ist 10 Jahre her. Die alte Welt hat sich verändert.

Es gibt jetzt Streams, Singles sind heute MP3s und auch die Art und Weise wie
Menschen auf Musik aufmerksam werden, hat sich verändert.


‚Ich bin gespannt was ich die nächsten Monate erleben werde‘, sagt Flow und auf das neue Album
angesprochen erzählt er, dass eben dieser Volksoul da war.

Geschrieben und fertig produziert von
ihm, mit all den Texten, den Grooves, den Sounds, diesen unglaublich spannenden Arrangements in
den Liedern… ‚Der Volksoul hat raus müssen und ich glaube dass jetzt die Zeit dafür reif ist.

Die Menschen suchen wieder nach Inhalten und ich finde sie sollten meinen Volksoul hören.
Wie ich bei Universal angeklopft habe, sind sie mir da sehr positiv entgegen gekommen.

Wann immer du willst, wir sind für dich bereit, hat man mir gesagt und jetzt ist es so weit.

Jetzt bin auch ich bereit‘. Flow Bradley ist heute ausbalancierter als früher. Seine Lieder zeigen einen
gereiften Musiker dessen Musik erlebt werden muss.

Vorbilder für den Volksoul gab es nicht. Dazu ist das neue Album zu eigenständig.

Soul ist das Grundgerüst, dazu Anleihen aus dem Hip Hop aber auch aus der Ära der
Disco-Klassiker, dem Studio 54 und den schwebenden Sounds finden sich – höre nach bei
‚Für di und mi‘.

Die Texte nicht honigsüß und klebrig, vielmehr stehen sie im Gegensatz zu den Sounds und
erhöhen damit die Spannung. Kleine Geschichten werden erzählt.

Geschichten die aus dem Leben des Bradley schöpfen. Dialekt. Englische Einsprengsel.

Die Stimme so atmosphärisch wie schon lange nicht mehr.


Ausse aus Bad Aussee – er ging von Bad Ausse raus in die Welt und ist nun wieder angekommen.
‚Born in Bad Aussee‘ – so wie das Land sind seine Menschen. Kantig, unorthodox, ein eigener Schlag.

Kunst und Kultur in den Genen. Wenn man wie der Flow noch eine zusätzliche Packung Kreativität
mit am Weg bekommen hat, dann wird die Kunst zum Ventil.


Davon haben wir dann alle etwas. Was dem Flow Bradley mit seinem neuen Album gelungen ist, hat
das Zeug österreichische Popularmusikgeschichte zu schreiben. Man muss nur der Oberflächlichkeit
absagen und sich trauen sich darauf einzulassen.

 


-az

 
     
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